Gliederungsvorschläge für Hausarbeiten

Mir ist aufgefallen, dass viele Studenten Probleme bei der Gliederung von Hausarbeiten haben. Deshalb hier jeweils ein Gliederungsvorschlag für theoretische und empirische Hausarbeiten. Diese Schemata sind für sehr viele Fälle anwendbar und wurden von meinen Dozenten fast immer positiv bewertet. Da ich Sozialwissenschaftler werde, beziehen sich diese Vorschläge auf sozialtheoretische oder empirische Arbeiten, sind aber wahrscheinlich auch auf andere Fachgebiete übertragbar.

Für Anregungen und Erweiterungsvorschläge bin ich natürlich offen 🙂

Gliederung einer theoretischen Arbeit

  1. Einleitung (ca. 10% der Seitenanzahl)
    Die Einleitung ist ein entscheidender Faktor der Hausarbeit. Hier wird klargestellt, was ihr eigentlich untersuchen wollt und warum.
    Ich persönlich schreibe gern ganz am Anfang des Arbeitsprozesses einmal eine Grobeinleitung, die zumindest schonmal die Fragestellung und einige Thesen beinhaltet. Im laufe des Schreibprozesses komme ich dann immer wieder darauf zurück und erweitere sie oder ändere sie ab. Ganz zum Schluss ergänze ich dann die Einordnung und die verbalisierte Gliederung.Die Einleitung beinhaltet:
    Einordnung der Arbeit in einen größeren Rahmen
    Hier wird die Relevanz des Themas klargestellt.
    Warum ist gerade das Thema wichtig?
    Was reizt euch an gerade diesem Thema?
    Fragestellung und Thesen
    Jede Hausarbeit sollte über eine klare Fragestellung verfügen. Diese
    kann in Frageform oder auch als These formuliert sein.
    Zusätzlich zur Frage enthalten viele Arbeiten auch noch Thesen, die
    eine Aussage dazu beinhalten, wie sich der Gegenstand zur Frage-
    stellung wahrscheinlich verhält. Wenn zu viele oder zu ausführliche
    Thesen vorhanden sind, lieber ein eigenes Kapitel draus machen.
    Ausschlüsse / Einschlüsse
    Welche Themengebiete werden bearbeitet, welche nicht und warum?
    Meist ist es aus Platzgründen nicht möglich, das gesamte Spektrum
    des Themas zu erfassen. Hier muss klargestellt werden, welche Berei-
    che außen vor bleiben und welche nicht. Begründungen sind dabei
    wichtig!
    Verbalisierung der Gliederung
    Oft ist es sinnvoll, am Ende der Einleitung die Gliederung zu verbali-
    sieren und kurz zu beschreiben, was in welchem Abschnitt gemacht
    wird.
  2. Theorie-Teil 1
    Viele Hausarbeiten bestehen im Groben aus einem Theorievergleich oder einer Theoriezusammenführung. In diesem Abschnitt werden die Grundzüge der ersten Theorie oder des ersten Arbeitsbereichs erläutert. Dies kann erstmal relativ deskriptiv ablaufen.
    Wichtig sind dabei Begriffsdefinitionen. Wenn es zu viele werden, können sie auch entweder in ein Unterkapitel oder einen eigenen Gliederungspunkt ausgelagert werden.
    Beispiel: „Der Story-Begriff von Harrison C. White“
  3. Theorie-Teil 2
    Wie in Punkt 2 wird hier eher deskriptiv auf die zweite Theorie eingegangen bzw. der zweite Aspekt betrachtet.
    Beispiel: „Kommunikationsformen im Internet“
  4. Kombination von Teil 1 und Teil 2
    Dies ist der wichtigste Teil der Arbeit. Hier geht ihr darauf ein, wie man die beiden Theorieteile verbinden kann, zu welchen Problemen es kommt und zu welchen Folgerungen ihr kommt. Außerdem werden Thesen überprüft.
    Hier verliert man schnell mal die Fragestellung aus den Augen. Wenn ihr euch mal im Thema „verlaufen“ solltet, guckt nach oben in die Einleitung und fragt euch, ob es jetzt wirklich sinnvoll ist, noch auf dieses oder jenes Thema einzugehen.
    Auch offene Fragestellungen können hier schon skizziert werden, sollten dann aber im Fazit nochmal aufgegriffen werden.
    Beispiel: „Der Einfluss von Internetkommunikation auf Stories“
  5. Fazit / Schlussbetrachtung (ca. 10% der Seitenanzahl)
    Das Fazit stellt eine Zusammenfassung der Arbeit dar. Daneben sollte sich hier ein Bezug zur Einleitung finden. Also sollte der größere Rahmen und – ganz besonders wichtig – die Fragestellung noch einmal aufgegriffen werden.
    Hier wird auch nochmal auf Aspekte eingegangen, die nicht oder nur unzureichend beantwortet werden konnten. Auch zum aktuellen Forschungsstand kann man hier Stellung nehmen.
    Oft ist es in theoretischen Arbeiten auch sinnvoll, im Fazit nochmal die gesamte Arbeit Abschnitt für Abschnitt zu rekapitulieren und die Ergebnisse jedes Kapitels kurz zusammenzufassen.

Gliederung einer empirischen Arbeit

  1. Einleitung (ca. 10% der Seitenanzahl)
    Die Einleitung einer empirischen Arbeit unterscheidet sich nur geringfügig von der einer theoretischen. Allerdings sollte hier schon einmal der Grundstein gelegt werden für die Methode eurer Wahl. Formuliert also die Fragestellung und/oder die These(n) so, dass sie darauf hinauslaufen, dass ihr genau die Methode anwenden müsst, die ihr anzuwenden beabsichtigt.
  2. Theoretische Fundierung / Review der bisherigen Forschung
    Wichtig in einer empirischen Arbeit ist die theoretische Fundierung. „Theorieleere“ Arbeiten sind – selbst im Bereich der Grounded Theory – nur selten gern gesehen. Zumindest die Einordnung in ein Forschungsfeld sollte somit gegeben sein.
    Je nach Methode können hier auch Kategorien für die qualitative Auseinandersetzung mit dem material entwickelt werden.
    Bei manchen Themen (und Methoden) ist es sinnvoll, sich hier mit bereits zum Thema geleisteter Forschung auseinanderzusetzen. Der Umfang richtet sich dabei nach der Länge eurer Hausarbeit. Habt ihr nur 20 Seiten, ist es natürlich nicht sinnvoll, sich hier auf 10 Seiten zum Forschungsstand auszulassen… Wenn ihr diesen Teil weglasst, begründet dies am besten auch.
  3. Methodisches Vorgehen
    Hier werden folgende Fragen beantwortet:
    – Welche Methode wählt ihr und warum?
    – Warum gerade diese und keine andere Methode?
    – Welche Stärken und Schwächen hat die Methode?
    Grundsätzlich ist in Hausarbeiten bei der Methodenwahl zu beachten, dass ihr eine Methode wählt, die dem Umfang der Arbeit angemessen ist. Ihr könnt keine Fragebogen-Befragung von 2.000 Menschen für eine 20-seitige Hausarbeit machen.
    Ich persönlich tendiere bei Hausarbeiten entweder zur Re-Analyse von bereits gesammelten Daten oder zu einer qualitativen Untersuchung.
  4. Präsentation der Ergebnisse
    Bei einigen Hausarbeiten ist es sinnvoll, die Ergebnisse in aufbereiteter Form zu präsentieren. Gerade quantitative Methoden erfordern dies oft. Dieser Abschnitt enthält dann oft viele Kreuztabellen und Diagramme.
    In anderen Hausarbeiten kann auf diesen Punkt verzichtet werden. In qualitativen Untersuchungen tendiere ich bspw. eher dazu, Zitate o.ä. mit in die Auswertung einzubauen.
  5. Auswertung
    Die Auswertung setzt Theorie und Methode in Bezug. Habt ihr in Punkt 2 einen theoretischen Rahmen gewählt und Thesen aufgestellt, ist hier der richtige Platz, sie zu überprüfen.
    Qualitative Arbeiten beschäftigen sich hier meist mit der Zusammenführung der Ergebnisse mit Kategorien, die in Punkt 2 erarbeitet wurden.
    In Grounded-Theory-Arbeiten geht es hier um die Generierung von Thesen. In dieser Art von Hausarbeiten ist es oft sinnvoll, einen weiteren Punkt einzufügen, welcher sich der Theoriegenerierung widmet.
  6. Fazit (ca. 10 bis 15% der Seitenanzahl)
    Das Fazit einer empirischen Arbeit unterscheidet sich oft von der einer theoretischen. Hier werden die prägnantesten Ergebnisse noch einmal zusammengetragen und gerafft vorgestellt. Wie bereits in der theoretischen Arbeit vorgestellt, muss hier aber auch immer ein Bezug zur Einleitung (Fragestellung, Einbettung ins Forschungsfeld) hergestellt werden.
    Außerdem kann auf Fehler und Unzulänglichkeiten in der bisherigen Theorieproduktion oder der Methode nochmal explizit hingewiesen werden.
    Eine Rekapitulation der gesamten Arbeit Punkt für Punkt 0ist meist nicht besonders zielführend.

Ich hoffe, diese kleine Zusammenfassung hilft dem Einen oder der Anderen beim Gliedern seiner oder ihrer Arbeit weiter. Wichtig bei allem ist: Nicht verzweifeln und immer die Ruhe bewahren, wenn ihr euch mal wieder im Theoriedickicht verlaufen habt. Oft hilft dann ein mentaler Schritt zurück mit der Frage „Was mache ich hier eigentlich gerade?“

1 Response to “Gliederungsvorschläge für Hausarbeiten”


  1. 1 Eva 25. September 2011 um 12:50

    Danke für diesen Post! Ich arbeite gerade an meiner Bachelorarbeit und um mich nicht immer wieder beim Schreiben zu verzetteln ist es wahnsinnig hilfreich einen Leitfaden zu haben, der mich daran erinnert, was genau wo reingehört :o)


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