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Analog – Digital – Imagination

Die Digitalität überflutet das Alltagserleben. Digital ist nicht nur das Internet, sondern auch viele andere Aspekte der modernen Gesellschaft. Angefangen bei Geldautomaten, über Funkwecker bis hin zu Blutzuckermessgeräten. Digitalität greift um sich. Es gibt heutzutage kaum einen gesellschaftlichen Bereich, der nicht von digitalen Medien beeinflusst wird. Doch diese Entwicklung wirft Probleme auf, die bisher unbekannt waren.

Der Mensch funktioniert analog. Wir nehmen Daten nur in Wellenform auf. Sei es über das Licht, den Schall oder den Tastsinn. Es entsteht hier also eine Herausforderung, das Digitale in Analoges zu transformieren. Der am meisten verbreitete Weg ist der der Schriftform. Sogar Programmierer, welche der digitalen Welt am nächsten stehen sollten, nutzen diesen Umweg, um nicht mit der „reinen“ Digitalität, welche nur aus Nullen und Einsen besteht, zu entgehen. Die menschlichen Sinne sind nicht zur Interpretation von 0 und 1 geschaffen.

Es wird also – sowohl zur Ein- wie auch zur Ausgabe – aus der digitalen Welt immer ein Instrument benötigt, welches digitale Werte in analoge Wellen umwandelt. Das können Bildschirm, Lautsprecher, Tastatur o. ä. sein. Hier verbirgt sich ein Problem. Bei der Umwandlung von Analog in Digital gibt es immer Verlust, da die Wellen der analogen Welt nicht 1:1 in Einsen und Nullen umgewandelt werden können.

Ähnlich kann es mit der Gegenrichtung aussehen. Hier ist es der Imaginationsleistung des Nutzers überlassen, die Ausgaben zu interpretieren. Besonders eindrucksvolle Beispiele hierfür sind ältere Computerspiele mit stark verpixelter Grafik. Ein Busch ist nur als Busch zu erkennen, wenn der Spieler ein hohes Maß an Vorstellungsvermögen einbringt.
C64-Bildschirm

Dieses Imaginationsvermögen greift auf kulturell geprägte Werte zurück, welche allerdings von User zu User unterschiedlich ausfallen können. Selbst die Interpretation von Schrift ist nicht immer eindeutig. Man denke z. B. an verschiedensprachige Internet-User, die nicht fähig sind, sich über Schrift zu verständigen, da die verschieden zusammengesetzten Zeichen in ihrer Sprache verschiedene Bedeutungen haben.

Es ist also bei Analysen der digitalen Welt immer darauf zu achten, dass Ein- und Ausgabeverzerrungen berücksichtigt werden müssen, da ansonsten das Ergebnis der Untersuchung verfälscht werden könnte.

Literaturhinweise:

Humer, Stephan (2008): Digitale Identitäten. Der Kern digitalen Handelns im Spannungsfeld zwischen Imagination und Realität. CSW-Verlag, Winnenden.

Homepage: http://www.internetsoziologie.de/


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